Auflicht - Durchlicht - Stereo - Invers?

 

  Zu reinen Anschauungszwecken präsentiere ich Ihnen mal einige gängige (ältere, da heute nur noch gebraucht erhältlich) Stativtypen von Carl Zeiss Jena, um die prinzipiellen Unterschiede kurz und prägnant herauszuarbeiten. Zum Beispiel zeigt die obere Reihe, angefangen vom Eduval bis zum Jenapol Durchlichtmikroskope unterschiedlichster Anwendungsgebiete. Allen gemeinsam ist der Strahlengang: von der im Stativfuß angesiedelten Beleuchtungsquelle durch den Kondensor fällt das Licht durch das (durchsichtige) Präparat, geht weiter weiter durch Objektiv, Tubus und Okular und gelangt dann in unsere Augen. Als Präparate kommen hier alle mehr oder weniger durchsichtigen Objekte biologischer Art in Betracht. Auch wenn diese Stative über einen binokularen Einblick verfügen, handelt es sich dabei nicht um Stereomikroskope, denn von dem Objekt wird bauartbedingt kein stereoskopisches, dreidimensionales Abbild erzeugt. Bei manchen Durchlichtmikroskopen verläuft der Strahlengang auch invers (s Inverse Mikroskope), d.h. das Objektiv "schaut" von unten her auf das durchsichtige Präparat.

 

 
  Stereomikroskope finden Sie in der unteren Reihe: Das GSM sowie das Technival sind reinrassige Stereomikroskope, wo für linkes und rechtes Auge getrennt, zwei Teilbilder des Präparates erzeugt werden. Von Ausnahmen abgesehen, fällt hier das Licht von außen (äußere Leuchte, s. Technival oder auch in den Strahlengang eingespiegelt) auf das Untersuchungsobjekt. Entscheidend für diese Art der Mikroskopie ist aber der Stereoeffekt. Objekte, die hier in Frage kommen, sind Mineralien, Insekten, Pflanzenteile, im Prinzip Dinge, die einige wenige Zentimeter groß sind und beim Vergrößern eine gewisse magische Perspektive gewinnen; der Vergrößerungsfaktor beträgt in der Regel 5 - 100 fach (in der Regel auch weniger, wobei der Stereoeffekt bei Vergrößerungen über 100x stark nachläßt).

 

 
  Inverse Mikroskope sind für Amateure eher uninteressant; Beispiel dafür ist das Telaval; der Strahlengang verläuft hier von oben nach unten, d.h. die Beleuchtungsquelle samt Kondensor befindet sich über dem Objektträger, wobei die transparenten Objektive unter dem Objekttisch positioniert sind. Gängige Anwendungen hierfür sind z.B. Gewässer-/Planktonuntersuchungen. Inverse Mikroskope können sowohl als Durchlicht- wie auch als Auflichtmikroskope konzipiert sein.

 

 
  Auflichtmikroskope, z B. das Epignost oder Metaval dienen der Untersuchung fester, intransparenter Objekte, z.B. Metalloberflächen (=Materialmikroskope), wobei die Beleuchtung der Objekte in der Regel durch einen in den Objektivstrahlengang integrierten Illuminator (und nicht durch eine äußere Beleuchtungsquelle) erfolgt. Eine gewisse Ähnlichkeit zu den Stereomikroskopen ergibt sich durch den Anwendungszweck - dem Beobachten undurchsichtiger Objekte (manche Stereomikroskope gestatten auch die Beobachtung dreidimensionaler durchsichtiger Gebilde). Um die Verwirrung noch ein bißchen zu vergrößern: die meisten Stereomikroskope sind vom Strahlengang her betrachtet Auflichtmikroskope (gemeinsame Schnittmenge: Materialuntersuchungen bei nicht so hohen Vergrößerungen), aber nicht jedes Auflichtmikroskop ist ein Stereomikroskop.

 

 
  Die Qual der Wahl?

In der Praxis ist die Sache noch etwas verwickelter, da größere Stative sowohl über die klassische Hellfeld-Durchlichtoptionen verfügen, als auch durch Adaption eine Opak-Illuminators und eines zusätzlichen Lampenhauses (oft auch in Kombination mit speziellen Objektiven)  in ein Materialmikroskop verwandelt werden können. Das von mir verwendete Leitz Orthoplan fällt beispielsweise in diese Kategorie. Als Amateur Liebhaber kommt man in der Regel mit einem Stereomikroskop (auch Stereolupe genannt) und/oder einem klassischen Durchlichtmikroskop am besten klar.