Kleine Kaufberatung

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Eine generelle Kaufberatung ...

mag ich hier nicht geben. Wer daran interessiert ist, möge sich z.B. an die von mir geschätzte und schon zitierte Mikrofibel halten. Was ich anbieten kann, sind lediglich einige Erfahrungen, die insbesondere für die mikrofotografisch Interessierten vielleicht hilfreich sein können. Wenn Sie sich für die Unterschiede zwischen Auflicht-, Durchlicht-, Stereo- und inversen Mikroskopen ... etc. interessieren, dann bekommen Sie hier einen ersten Überblick.

 
 
 

 

Was man(n) / frau braucht ...., z.B. eine Digitalkamera

um gleich die nächste Einschränkung zu machen: ich beziehe mich hier weitgehend auf die Kombination Mikroskop + Digitalfotografie.

Fangen wir mit den Voraussetzungen für eine brauchbare Digitalfotografie an. Ich selbst benutze eine Canon G3 und eine Canon EOS 10D. Natürlich geht fast jede moderne Digitalkamera mit wenigstens 2 Megapixel Auflösung. Die vielleicht günstigste Möglichkeit hat Herr Nötzel vorgestellt: die Adaption einer Aiptek PocketCam Smart 2MB an ein Mikroskop mittels C-Mount-Adapter. Die Kamera selbst dürfte man bei Ebay für weniger als 99 € erstehen können. Allerdings sind solche Bastelanleitungen nicht jedermanns Geschmack bzw. es fehlt an technisch-handwerklichem Geschick.

Mein Tipp hier: anything goes .... man sollte aber vielleicht darauf achten, daß sich ein Filteradapter nachrüsten läßt: diesen braucht man für den Anschluß des Zwischenstücks zwischen Digicam und Mikroskoptubus. Für weitere Fragen siehe Kapitel Technik.

 

 

  Ebay und die Folgen

Wie viele bin auch ich ein großer Fan von Ebay. Schließlich habe ich dort 4 Mikros, etliche Objektive samt Zubehör ge- und auch wieder verkauft. Meine Erfahrungen sind gut. Für Newcomer besteht natürlich das Problem in der Qual der Wahl. Eine Recherche nach Mikroskop zeigt je nach Tag über 600 Angebote. Da fällt die Wahl schwer. Nehmen wir also an: die Digicam ist vorhanden und brauchbar. Ein Mikro fehlt noch. Die beiden wichtigsten Fragen sind: a) die nach der Investitionsbereitschaft sprich: wie viel Geld kann für das neue Hobby ausgegeben werden (unter der Voraussetzung, daß weiterer Appetit mit dem Essen kommt) und b) was soll überhaupt mikrofotografiert werden. Sofern keine Spezialinteressen vorliegen, wird man vermutlich erst mal zu einem "normalen" Durchlichtmikroskop mit Ausbaumöglichkeiten greifen.

Aus eigener Erfahrung kann ich auch nur raten, sich das Objekt der Begierde eigenhändig und vor Ort anzuschauen - bevor man ins Bieten einsteigt. Es muß nicht Böswilligkeit sein, oft ist die Unwissenheit des Verkäufers noch größer als die des "vorbelesenen" Newcomers. Am besten hilft eine kleine Checkliste:

 

 

a) Triebe (Kondensor, Objekttisch etc.)

Einfach ausprobieren: die Triebe sollten ohne "Nebengeräusche" (Knarren, Knirschen etc.) sanft und weich laufen, vor allen Dingen ohne zu ruckeln? Sind diese Bedingungen nicht gegeben, sollte man vom Kauf Abstand nehmen.

b) Zustand der Okulare & Objektive

Für mich der wichtigste Punkt überhaupt, da der kostspieligste. Nehmen Sie die Okulare heraus und halten Sie sie gegen das Licht: es sollten weder Beläge, Trübungen etc. erkennbar sein. Fingerabdrücke lassen sich mit Anhauchen und einem weichen Tuch entfernen. Bei den Objektiven wird es etwas schwieriger. Zuerst sollten Sie jedes (!) Objektiv einzeln abschrauben und inspizieren. Die Hinterlinse läßt sich einfach überprüfen: sie sollte klar und ohne Kratzer sein. Die Vorderlinse zu überprüfen gestaltet sich von Fall zu Fall etwas aufwendiger. Bei der ersten Prüfung blicken Sie im Abstand von ca. 30 cm durch das Objektiv (Hinterlinse Richtung Auge); bei der Durchsicht sollte keine Ablagerungen bzw. Verkrustungen an der Vorderlinse erkennbar sein, was aber bei Immersionsobjektiven durchaus vorkommen kann. Über das Entfernen von solchen Ablagerungen gibt es viele umfangreiche Anleitungen. Am einfachsten geht es mit Waschbenzin, evtl. auch Spiritus und/oder herkömmlicher Glasreiniger + medizinische Augenwatte ersatzweise auch ein Kleenex / Tempo. Sollte sich ein Pilz angesiedelt haben oder sich diese Ablagerungen nur unzureichend entfernen lassen, haben Sie den Katastrophenfall vor sich: das Objektiv ist schlichtweg unbrauchbar. Die zweite Testrunde betrifft mögliche Kratzer an der Objektivvorderseite. Zu diesem Zweck nehmen Sie das Mikroskopokular, drehen es herum und schauen sich jetzt in geringem Abstand die Vorderfront des Objektives an: Kratzer, Sprünge, Absplitterungen können so leichter erkannt werden: Falls vorhanden: irreparabel. 

c) Beleuchtung (Zustand Irisblenden, Filter etc.)?
 

Meistens digital zu klären: entweder die Beleuchtung funktioniert oder sie funktioniert nicht. Bei älteren Stativen gibt´s meist Probleme; hier muß man einen Austausch bzw. die Umrüstung der Beleuchtungsquelle ins Auge fassen, was normalerweise aber kein K.O.-Kriterium ist. Die Leuchtfeldblende sowie die Blende am Kondensor sollten wie auch die Triebe leichtgängig und ruckfrei funktionieren. Wenn es hier ein Problem gibt - mit Bordmitteln werden Sie es vermutlich nicht lösen, es sei denn, Sie wären Feinmechaniker. Also dann besser die Finger von dem guten Stück lassen.

d) Gesamtinspektion:

Man bringe ein Präparat mit und voilá .... have a look .... alles klar erkennbar? (setzt allerdings voraus, daß man mit dem Kondensor, der Iris- und Leuchfeldblende einigermaßen umgehen kann).

Keine Regel ohne Ausnahme: am 14.2.04 gegen 16:10 ersteigerte ich in ebay ein altes Schätzchen Marke Revue 1600. Wie es mir damit ergangen ist und ob solchen Schnäppchen sich lohnen, erfahren Sie hier.

Ansonsten gilt: Augen auf !!! Es macht eigentlich keinen Sinn, sich in die (endlose) Reihe der Bieter einzureihen, um auf bekannte und beliebte Stative wie dem Zeiss Standard (in unterschiedlichsten Ausführungen) zu bieten, da man hier schnell 400 - 600 € los werden kann - kaum ein Schnäppchen. Stattdessen empfehle ich, auf unbekanntere Objekte Jagd zu machen. Vor kurzem (Febr. 2005) fiel mir ein recht ordentlich erhaltenes Zeiss Jenamed für 420 € in die Hände, bestückt u.a. mit dem doch recht teuren 1,0x/003. Was andere Bieter abgeschreckt hat: die Abbildung des Mikros war schlecht und der Anbieter kannte sich nicht die Bohne damit aus, außerdem genießen die ehemaligen Ostprodukte völlig zu Unrecht einen schlechten Ruf. Wenn man dann vergleicht: das Zeiss Standard mit Endlichoptik gegen ein Labormikro mit Großfeld- und Unendlichoptik (Planachromate), dann wird klar, wonach der Amateur suchen sollte. Im übrigen habe ich mit dem Service von Zeiss die allerbesten Erfahrungen gemacht. So war es überhaupt kein Problem, aus dem Archiv eine Kopie der Bedienungsanleitung zu bekommen und bei der Suche nach Zubehör war man mir auch behilflich. Ansonsten ist man einem auch bei www.askania.de behilflich, Ersatz- und Reparaturteile für die alten Jenaer Schätzchen zu bekommen.


 

 

Low budget ....

Eröffnen wir die Diskussion mit einem ausgesprochenen Low budget - Mikroskop, beispielsweise dem aus russischer Schmiede stammenden Biolam LMK "mit Mikrookular und Kreuztisch" angeboten z.Z. für 311,- Euro. Auf der Didakta in Köln hatte ich Gelegenheit, solche Exemplare mal näher unter die Lupe zu nehmen. Das Gute vorweg: man kann damit arbeiten. Und die schlechte Botschaft? Hmm, so eigentlich macht es keinen Spaß, damit zu arbeiten, es fehlt die Anmutungsqualität (so man etwas für Feinmechanik übrig hat). Ich persönliche würde hier z.B. ein altes Labormikroskop von Zeiss oder Leitz vorziehen. Aber wie gesagt, es ist eine Frage der persönlichen Prioritäten und Vorlieben.

Ist man bereit, für dieses neue Hobby ca. 400 - 600 € anzulegen, hat man mehr Möglichkeiten, insbesondere bekommt man hier ein Mikro mit Trinokulartubus, was den Spaßfaktor doch merklich vergrößert. Wiederum hat man die Wahl zwischen älteren Labor- und Forschungsmikroskopen und neueren Instrumenten, beispielsweise dem Hedinger E1-223 E.Plan (leider nicht unter www.hedinger.de, sondern nur im Hauptkatalog 2004/2005. Es handelt sich dabei um ein professionelles (wohl aus chinesischer Produktion stammendes) Kursmikroskop, 5-fach Revolver mit E-Plan-Objektiven, 20 Watt Beleuchtung, Abbe-Kondensor N.A. 1.25 und Trinokulartubus, das ganze für 590,- €. Nach meinem Dafürhalten (und nach einigen praktischen Versuchen) durchaus brauchbar.

Die Alternative dazu sind wiederum ältere Labor- und Forschungsmikroskope unterschiedlichster Provenienz: Zeiss (Ost und West), Leitz, Olympus und Nikon (das wären gleichzeitig auch so die von mir bevorzugten Marken). Da die Fotoadaption sich im Einzelfall durchaus heikel gestalten kann, entscheidet sich die Auswahl wohl auch mit der Frage des Supports. Empfehlen aus eigener Praxis kann ich die Leute von Zeiss und Leitz, mit Olympus waren meine Erfahrungen mindestens gemischt.

Gerade bei den "alten Schätzchen" lassen sich erhebliche Verbesserungen z.B. durch neuere Weitfeldokulare (Euromex HF 10x o. 12x ca. 24 €) erzielen. Aber aufgepaßt: das funktioniert problemlos mit Achromaten nicht zu hoher numerischer Apertur. Je höherwertiger die Optik, desto schwieriger wird die Verwendung von fremden Okularen.  

 

 

High budget ...

schön, wenn man ein bißchen mehr Geld für sein Hobby übrig hat. Wo "High budget" anfängt, darüber ließe sich wacker streiten. In der Regel fängt hier die Schallmauer bei ca. 1000 € an und wird nach oben hin offen sein. Zwischen 1000 und 2000 € bekommt man bei Ebay beispielsweise das links abgebildete Carl Zeiss Jenaval mit Unendlichoptik und unzähligen Erweiterungsmöglichkeiten.

Generell kann man viel Geld sparen, wenn man sich mehr auf die fotografischen Möglichkeiten des Mikroskops ausrichtet. Teure Features wie Polarisation (Aufrüstung durch den Hersteller: etliche 100 €) kann man beispielsweise durch Eigenkonstruktionen ersetzen, die zwar nicht für wissenschaftliche Zwecke brauchbar sind, aber für unseren Zweck durchweg genügen. Außerdem wird der Amateur immer wieder die Erfahrung machen, daß höherwertige Zubehörteile, z.B. Plan-Apos viele Einschränkungen mit sich bringen: a) man sollte in diesem Fall ausschließlich (!!!) Originalbauteile (optisch/mechanisch) verwenden - andernfalls kleinste Inkompatibilitäten sehr negative Effekte zeitigen; b) bedenkt man oft nicht die notwendige Güte von Präparaten: mit Billigpräparaten z.B. von Tasco oder welchen aus osteuropäischer Massenfertigung wird man mit High-Tech-Objektiven sehr unbefriedigende Ergebnisse erzielen. Und für das Herstellen eigener Präparate wird man auch etliches (Lehr-)Geld bezahlen, bis der Schnitt so dünn ist, daß das für viel Geld erworbene Plan-Apo die filligranen Details preisgibt.
 

 
Resümee

Jeder muß es selbst herausfinden. Und noch eine kleine Geschichte obendrein: Bekanntermaßen zählen die Mikroskopobjektive zum wichtigsten (und auch teuersten) Ausstattungsmerkmal. Und hier wiederum stehen die Plan-Apochromaten ganz oben auf dem Einkaufszettel eines Enthusiasten. So auch bei mir. Der erste Versuch ging allerdings tüchtig daneben: schnell das Präparat eingelegt und dann scharfgestellt ... denkste .... das Präparat ließ sich mit dem teuren Plan-Apo einfach nicht scharfstellen .... Ein billiger Achromat zeigte indes brav, was zu sehen war .... bis ich dahinter kam: das Präparat war mit dem Deckglas nach unten eingelegt ... für das Plan-Apo eine unüberwindliche Hürde. Merke: die hochwertigsten Teile verlangen das Einhalten präziser Normen, jeder kleinste Fehler verdirbt die Arbeitslaune und das Ergebnis. Mit anderen Worten: eine pragmatische Wahl schont den Geldbeutel und mehrt den Spaßfaktor.